Mitarbeiter laufen den Gang entlang, Mann berührt dabei zwei weibliche Begleiterinnen

Belästigung am Arbeitsplatz: Jeder Zweite mit Sexismus konfrontiert

Gendermanagement: Eine Kolumne von Nicola Fritze, Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Sexuelle Belästigung am ArbeitsplatzEs ist erschreckend: Jeder zweite Beschäftigte in Deutschland (ob Mann oder Frau) hat sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz schon erlebt oder beobachtet – das reicht vom pornographischen Bild im Büro oder einer anzüglichen Bemerkung über unerwünschtes Berühren bis hin zu Küssen. Vor wenigen Tagen machten diese Ergebnisse einer Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes die Runde und sorgten für Entsetzen – sie zeigen nur allzu deutlich, dass das Thema Sexismus auch im Alltag noch lange nicht abgeräumt ist.

Wenn wir über fehlende Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt sprechen, geht es oft um niedrige Frauenanteile in Chefetagen oder um ungleiche Bezahlung für gleiche Arbeit. Doch wenn im täglichen Büroleben sexistisches Verhalten so gängig ist, liegen die Probleme tiefer. Es geht um falsche Stereotype, altmodische Frauenbilder (denn die meisten Opfer sind Frauen) und, ja, auch Machtmissbrauch durch Vorgesetzte.

Sexistische Übergriffe treffen nicht nur Mitarbeiterinnen auf unteren Ebenen. Jede Managerinnen kann zahlreiche Geschichten erzählen über ihre schlechten Erfahrungen in diesem Feld. Die beiläufige Hand auf der Hüfte während der Kaffeepause, die anzüglichen Bemerkungen an der Bar durch Kollegen nach langen Arbeitstagen – so etwas ist keine Seltenheit.

Das Perfide: solche kleinen Belästigungen kommen meistens ganz freundlich daher. Die Hand auf der Hüfte ist begleitet durch einen netten Kommentar. Nur das Bauchgefühl sagt: das war jetzt zu viel, zu nah, zu übergriffig. In solchen Momenten ist es auch für Top-Managerinnen schwierig, schlagfertig zu reagieren. Viele Frauen sagen dann lieber gar nichts. Denn wer will schon eine Szene machen und so die Aufmerksamkeit auf das eigene Geschlecht lenken?

Nicht zu reagieren – das ist verständlich, aber keine gute Wahl. Denn dann passieren Übergriffigkeiten wieder und wieder. Viele unangenehme Situationen lassen sich am Besten auf entwaffnend lässige Art vermeiden. Wie? Legen Sie sich ein paar Antworten zurecht und üben Sie fiktive Situationen mit Ihrem Coach, einer Freundin oder ihrem Partner.

Im obigen Szenario könnten Sie beispielsweise so reagieren: „Danke, aber Komplimente funktionieren auch ohne Körperkontakt.“ Oder sie werden eine Nummer direkter: „Würden Sie sich einem männlichen Kollegen gegenüber auch so verhalten?“ Die erste Möglichkeit gibt Ihrem Kollegen die Chance, sein Verhalten zu überdenken, ohne sich in die Defensive gedrängt zu fühlen. Bei der zweiten Möglichkeit erwarten Sie eine Antwort und gehen offensiver vor, aber immer noch, ohne den Kollegen zu bedrohen.

Beobachten Sie seine Reaktion genau. Bestenfalls entschuldigt er sich und sieht seinen Fehler ein. Möglicherweise kommentiert er Ihre Reaktion nicht, ändert aber sein Verhalten zukünftig.

Es gibt zudem natürlich auch immer die Variante, die Situation zu eskalieren. Aber häufig reichen schon kleinere Interventionen, um Ihr Gegenüber zum Umdenken zu bewegen. Wägen Sie selbst ab, welcher Weg der richtige ist für Sie. Hauptsache, Sie halten nicht still!

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.