Gender Pay Gap: Ungleichheit in Deutschland

Wieso Gender Pay Gap kein Gerücht ist: Sind Frauen weniger wert?

Gendermanagement: Eine Kolumne von Nicola Fritze, Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Verdienen Frauen weniger als Männer – für die gleiche Arbeit? Ein hochgejazztes Problem, sagte mir neulich ein Kunde. Schließlich seien Frauen selber Schuld, wenn sie sich für schlechter bezahlte Branchen entscheiden. Wer in die Pflege geht oder Kleinkinder betreut, verdient nun mal weniger als diejenigen, die als Programmierer oder in der Biotechnologie arbeiten. „Wenn Frauen höhere Gehälter wollen, müssen sie eben in die Männerberufe gehen.“ – so das Fazit des Geschäftsführers.

Auf den ersten Blick mag das erst mal logisch erscheinen. Tatsächlich entsteht die sogenannte Gender Pay Gap von (in Deutschland) ca. 20% vor allem, weil die Gehälter in den unterschiedlichen Berufen sich so stark unterscheiden. Wenn man auf die Lohnverzerrungen zwischen Frauen und Männern in denselben Berufen schaut, schrumpft der Unterschied auf – immerhin – 8%. Die Lohnlücke ist dann also viel kleiner, als wenn man Männer- und Frauengehälter insgesamt vergleicht.

Alles kein Problem also? Ist die sogenannte Gender Pay Gap also gar nicht so ein großes Problem? Ganz im Gegenteil!

Erstens: 8% weniger verdienen, nur weil jemand eine Frau ist? Kommt nicht in die Lohntüte! Schließlich sind wir Frauen besser ausgebildet denn je und leisten mindestens so gute Arbeit wie unsere männlichen Kollegen.

Zweitens, und das nur am Rande: warum sind uns die so genannten Frauenberufe so wenig wert? Wie kommen wir darauf, dass es in Ordnung ist, zum Beispiel Pflegepersonal und Erzieherinnen miserabel zu bezahlen? Ich kann das einfach nicht nachvollziehen. Wieso nehmen wir es so selbstverständlich hin, dass ein Programmierer das Vielfache einer Frau verdient, die sich als Pflege-Profi Tag für Tag um unsere alten Eltern kümmert?

Drittens deuten neue US-Studien darauf hin, dass es eine traurige Wahrheit gibt: Arbeit, die von Frauen verrichtet wird, ist uns einfach weniger wert, als wenn Männer sie machen. Kaum zu glauben? Ist aber so. Beispiel Graphikdesign: Früher wurde der Beruf vor allem von Männern ausgeübt. Dann haben die Frauen übernommen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Daten aus den 50er Jahren auswertet: 34% schlechtere Löhne. Oder nehmen Sie Biologen. Früher waren das fast nur Männer. Heute sind es mehrheitlich Frauen. Ergebnis: im Schnitt 18% weniger Gehalt.

Und wie sieht es aus, wenn sich Berufsbilder von weiblich zu männlich verschieben? Sie erraten es schon: das Gehalt steigt im Schnitt. Und nach wie vor ist es so, dass die bestbezahlten Berufe in übergroßer Mehrheit männlich besetzt sind. Aber auch die sonstigen Berufe, in denen Männer in der Überzahl sind, sind besser bezahlt. Eine US-Studie zeigt, dass hier um die 20% mehr Gehalt fließen als in den Bereichen, die weiblich dominiert sind.

Wenn Ihnen also jemand zu erzählen versucht, dass die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern kein Thema mehr ist: widersprechen Sie! Denn das ist einfach falsch: Frauen verdienen tatsächlich weniger.

Titelbild: shutterstock/ibreakstock

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.