Mitarbeiter auf Bergen schaut fliegendem Sparschwein zu

Geldfixiert und sicherheitsorientiert: Das andere Gesicht der Generation Y

Motivation am Montag von Nicola Fritze, Expertin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Was entscheidet heute über die Attraktivität eines Arbeitgebers? Wenn wir den Medien glauben, ist die Antwort klar: die Möglichkeit zur guten Work-Life-Balance! Liegt nahe, oder? Schließlich diskutieren wir gerade über kaum ein Thema mehr als über die Vereinbarkeit von Arbeit und Leben abseits der Arbeit.

Aber: stimmt dieses Urteil? Eine Umfrage des Personaldienstleisters Orizon zeigt ein etwas differenzierteres Bild. Zwar sind den jungen ArbeitnehmerInnen, also alle zwischen 20 und 29 Jahren, flexible Arbeitszeiten und abwechslungsreiche Tätigkeiten ziemlich wichtig. Aber viel entscheidender dafür, ob ein Arbeitgeber in Frage kommt oder nicht, sind zwei andere Dinge: die Sicherheit des Arbeitsplatzes und das Gehalt.

Sicherheit und Geld also – ganz schön überraschend! Aber irgendwie auch nicht, wenn man das mediale Zerrbild der Generation Y mal für einen Moment ausblendet. Denn eigentlich ist ja klar, dass auch junge Leute gutes Geld wollen, wenn sie ihre Lebenszeit an Dritte verkaufen. Und auch der Wunsch nach einem sicheren Arbeitsplatz überrascht wenig – in Zeiten, wo Zeitverträge und Befristungen fast die Regel sind und Unsicherheit eher die Regel als die Ausnahme.

Haben wir also ein falsches Bild im Kopf, was die Generation Y angeht? Was ist denn mit den idealistischen, post-materialistischen jungen Leuten? Gibt es die etwa gar nicht? Die Antwort ist: natürlich gibt es die. Aber die Generation Y ist in unterschiedliche Lager geteilt (das zeigt unter anderem die Forschung von Peter Kruse). So wie es hier einen starken Trend zum freiberuflichen, post-materiellen, selbstbestimmten Lebenskonzept gibt, gibt es eben auch das Gegenteil: den Wunsch nach Sicherheit, nach Beständigkeit und materieller Sorglosigkeit. Darin ähnelt die Generation Y übrigens den älteren Arbeitnehmer-Generationen. Arbeitsplatzsicherheit und gute Bezahlung sind über die Generationen hinweg die Schlüsselfaktoren, wenn es um die Bewertung des Arbeitgebers gilt.

Einen großen Unterschied zwischen der Generation Y und den älteren Generationen gibt es hingegen: die Jüngeren sind sich in großer Mehrheit sicher, dass sie eine gute oder sehr gute Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. Und das, obwohl der Berufseinstieg heute als komplizierter und weniger gradlinig gilt denn je. Paradox? Nein, realistisch! Denn der demographische Wandel spielt zumindest den gut Ausgebildeten in die Hände. In vielen Bereichen kaufen Arbeitgeber schon heute jeden Absolventen vom Markt. Das stärkt die Verhandlungsposition der jungen ArbeitnehmerInnen. Und treibt die Gehälter absehbar in die Höhe. Vielleicht wird aus der prekären Generation also bald die Generation der Wohlhabenden?

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.