Gehaltsverhandlung trifft Gendermanagement

Fordern Karriere-Frauen zu wenig…? Oder werden sie bestraft, wenn sie mehr wollen?

Gendermanagement: Eine Kolumne von Nicola Fritze, Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Frauen sind selbst schuld, wenn sie weniger verdienen – sie fordern einfach zu wenig! Diesen Satz hört und liest man immer wieder. Und ganz falsch ist er nicht. Frauen treten häufig nicht so selbstbewusst wie ihre männlichen Kollegen auf und stapeln eher zu tief als zu hoch.

Eine neue Studie aus den USA zeigt nun die andere Seite der Medaille. Sheryl Sandberg, die Facebook-Managerin und Autorin von Lean In, hat gemeinsam mit McKinsey eine große Studie zu Frauen am Arbeitsplatz durchgeführt. Ein Kernergebnis: Frauen, die offensiv mehr Geld fordern, haben ein Problem. Sie gelten schnell als „bossy“, also als zu aggressiv und aufdringlich – und das, obwohl sie sich einfach nur so verhalten wie ihre Kollegen.

Der Unterschied ist spürbar: wenn Frauen selbstbewusst für mehr Gehalt eintreten, liegt die Wahrscheinlichkeit für Widerstand auf Seiten des Arbeitgebers um ein Drittel höher, als wenn Männer Gehaltsverhandlungen anstoßen. Die Wahrscheinlichkeit für negatives persönliches Feedback liegt sogar um zwei Drittel höher als für die weiblichen Professionals, die nichts zusätzlich fordern: von „einschüchternd“ bis „zu aggressiv“ ist alles dabei, wenn Frauen auf bessere Kompensation drängen.

Das überrascht beim ersten Lesen. Bei näherem Hinsehen jedoch wird klar: dieser unterschiedliche Blick hat viel damit zu tun, wie wir auf Männer und Frauen blicken. Bei Männern setzen wir kulturell voraus, dass sie Dinge einfordern und sich durchsetzen wollen. Bei Frauen hingegen wird oft erwartet, dass Harmonie vor Eigeninteresse steht.

Wer als Karrierefrau also selbstverständlich das tut, was auch die männlichen Kollegen machen, hat schnell das Nachsehen. Eine Frau, die etwas für sich einfordert und selbstbewusst einen Platz an der Spitze verlangt, ist viel schneller mit negativen Zuschreibungen konfrontiert als männliche Platzhirsche.

Gendermanagement: Lösungen für die Gehaltsverhandlung

Das ist unfair – aber es ist so. Um so wichtiger, dass Sie als Frau oder als Vorgesetzter / Vorgesetzte mit weiblichen Mitarbeitern bewusst mit dieser ungleichen Behandlung umgehen. Ein möglicher Weg für, wenn es um Sie selbst geht: Sprechen Sie in Gehaltsverhandlungen direkt zu Beginn des Gesprächs an, dass weibliches Verhandeln der Forschung nach häufig zu negativen Reaktionen führt. Machen Sie sich die wissenschaftlichen Erkenntnisse zunutze, die hier vorliegen. Wenn sich alle Gesprächspartner einer möglichen Ungleichbehandlung bewusst sind, steigt die Wahrscheinlichkeit für ein umsichtiges, auf die Sache gerichtetes Gespräch.

Das bedeutet nicht, dass Sie automatisch mehr Geld bekommen werden. Aber die Chance steigt, dass Sie das Gespräch in der Verhandlung auf die inhaltlichen Argumente richten können. Das ist in jedem Fall besser, als wenn ihre Gesprächspartner ungestört negative Vorurteile gegen Sie persönlich aufbauen, nur weil Sie selbstbewusst ein paar Euro mehr fordern!

 

Hilfe zum Thema Gehaltsverhandlung könnten im Übrigen auch die folgenden Leistungen bieten:

Gehaltsextras für zufriedene Chefs und Mitarbeiter

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.