Intrinsische Motivation am Arbeitsplatz

Von der Utopie zum Versuchsprojekt: Wie das Grundeinkommen intrinsische Motivation befördern wird

Motivation am Montag von Nicola Fritze, Expertin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

„Menschen sollen das tun, was ihnen Freude macht.“ Mit diesem einfachen Satz ernte ich bei vielen Kunden ein mitleidiges Lächeln. „Das Leben ist aber nicht so einfach, Frau Fritze. Erst kommt die Pflicht, dann kommt die Kür.“ – wie oft ich solche Sätze gehört habe!

Dabei habe ich nicht nur mein gutes Menschenbild, sondern auch die Wissenschaft auf meiner Seite. Denn wenn Menschen das tun

  • was sie sinnvoll finden,
  • wo sie wachsen und lernen können,
  • wo sie frei entscheiden können,

dann blühen sie auf und entfalten all ihre Potenziale.

All das ist freilich nur dann möglich, wenn wir intrinsisch motiviert sind. Also Dinge nicht tun, weil wir Belohnungen wollen oder Strafen fürchten, sondern weil wir Lust und Freude dabei empfinden.

Genau das ist der Punkt, wo sich insbesondere Führungskräfte einhaken. „Wie soll das gehen? Wenn Menschen immer nur die Rosinen rauspicken, wer macht dann die Arbeit, die weniger aufregend ist?“ Andere sagen: „So ist das Leben nicht. Nur wer auch mit den Routineseiten des Lebens klarkommt, ist aus dem richtigen Holz geschnitzt in unserer Arbeitswelt.“

Tja, wissen Sie was? Ich glaube, all diese Skeptiker werden sich bald auf ernsthafte Debatten einstellen müssen. Ihnen schwimmen gerade die Felle davon. Es ist keine Utopie mehr, dass immer mehr Staaten regelmäßige Grundeinkommen bezahlen werden. Geld, das jeden Monat auf unser Konto kommt, ohne Arbeitszwang, Anträge im Amt, Sanktionen… und uns so viel unabhängigere Entscheidungen darüber ermöglicht, womit wir unsere Lebenszeit (und damit Arbeitszeit) verbringen möchten.

Fromme Hoffnung? Hätte ich vor fünf Jahren auch gedacht. Aber in den vergangenen Jahren hat sich schon wieder viel bewegt bei dem Thema:

  • Die Provinz Ontario in Kanada hat verkündet, dass sie ein Pilotprojekt zum Grundeinkommen starten wird. Ungefähr 1.300 kanadische Dollar erhalten die Bürgerinnen und Bürger, die teilnehmen – ohne Bedingungen, Monat für Monat. In der Hoffnung, dass das Bürokratie auf Seiten des Staates spart. Und bei den Bürgerinnen und Bürgern den Mut freisetzt, Lebenszeit bewusst zu verwenden.
  • Siemens-Chef Jo Kaeser hat öffentlich verkündet, dass Modelle wie das Grundeinkommen „unvermeidlich“ seien. Die Digitalisierung und Robotisierung mache absehbar so viele Arbeitsplätze überflüssig, dass das Sozialstaatsmodell des 19. Jahrhunderts nicht länger die richtige Antwort sei.
  • Tesla-Chef und Paypal-Gründer Elon Musk schlug öffentlich in eine ähnliche Kerbe. Die Struktur der Arbeitswelt verwandle sich so drastisch, dass Staaten viel aktiver für Umverteilung sorgen müssten als bislang. Auch Musk hofft, dass das kreative Kräfte bei den Menschen freisetzt, wenn sie sich aus der Logik von Pflicht und Sachzwang befreien.

Ob das funktionieren kann? Ich meine: den Versuch ist es wert. So können wir Millionen Menschen die Chance geben, ihre Lebensentscheidungen zu prüfen und eventuell zu korrigieren. Auf dass Spaß, Leidenschaft und Potenzialentfaltung Normalität werden! Und was würden Sie ändern, wenn Sie ein bedingungsloses Grundeinkommen hätten? Welche Potenziale würden Sie dann entfalten, die in Ihnen liegen? Wofür würden Sie sich mehr Zeit nehmen?

 

Titelbild shutterstock / racorn

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.