Hand arbeitet mit Diagrammen

So wirkt sich Big Data auf Vergünstigungs- und Prämiensysteme aus

Wie Sie Big Data zu Ihrem Nutzen einsetzen

In den letzten Jahren hat Big Data die Geschäftswelt und sogar unser Privatleben kräftig durcheinandergewirbelt. Durch den Zugriff auf diese Datenmengen erhalten Unternehmen jedoch auch Gelegenheit zu besseren, kontinuierlichen Erkenntnissen über die Erwartungen und Bedürfnisse von Verbrauchern und Kunden. Denis Machuel, Global CEO bei Sodexo Benefits and Rewards Services und Chief Digital Officer der Sodexo Group, erklärt, wie Unternehmen von Big Data profitieren können und geht auf die damit verbundenen Herausforderungen ein.

Wie hat das Phänomen Big Data die Herangehensweise der Unternehmen an Arbeitgeberleistungen und Prämien sowie allgemeine Strategien zur Mitarbeiteranerkennung verändert?
Denis Machuel: Noch bis vor kurzem richteten sich die Unternehmen bei der Entwicklung von Arbeitgeberleistungs- und Prämienprogrammen nach allgemeingültigen Prinzipien oder ihrer Intuition, dagegen kaum nach tatsächlichen Daten. Im Ergebnis bestanden die Programme in der Vergangenheit oft aus schlüsselfertigen Lösungen, und Erfolge bei der Mitarbeiterbeteiligung und -motivation wie auch im Allgemeinen waren schwer vorhersagbar.
Heute hat sich die Landschaft stark verändert. Den Unternehmen stehen enorme Datenmengen zur Verfügung, mit denen sie die Demographie ihrer Belegschaft, Fragen der Vorsorge, Bedürfnisse ihrer Angestellten und allgemeine Probleme am Arbeitsplatz untersuchen und erkennen können. So konnten wir das Einheitsmodell zugunsten maßgeschneiderter Programme, die jedem Einzelnen gerecht werden, hinter uns lassen.

Welche Vorteile hat ein solches Maß an Personalisierung?
Denis Machuel: Mithilfe der Daten können wir messen, wie oft Leistungen und Prämien von den Mitarbeitern genutzt werden – aufgeschlüsselt nach Alter, Ort usw. Diese Daten sind in Echtzeit verfügbar und zeigen dem Unternehmen, ob seine Mitarbeiter an den gebotenen Leistungen interessiert sind und wie effektiv das Programm ist. Vor allem aber ermöglichen sie es dem Unternehmen, sein Programm anzupassen und zu verbessern. Durch Zugriff auf die richtigen Daten können Unternehmen passendere, motivierendere Programme entwickeln und damit die Lebensqualität ihrer Mitarbeiter stärker und gezielter beeinflussen.

Sind mit Big Data auch Nachteile verbunden, die zuvor nicht existierten?
Denis Machuel: Big Data ist ein nützliches, machtvolles Werkzeug, das gewisse Gefahren birgt. Ob es einen positiven Zweck erfüllt oder zu einer Belastung wird, hängt voll und ganz davon ab, wie es verwendet wird. Damit meine ich die Verwendung mit Blick auf Menschen, Datenschutz, Anonymität usw. Wer Zugriff auf sensible, personenbezogene Daten hat, der hat auch eine große Verantwortung. Die Unternehmen müssen sich Big Data mit Bedacht nähern, denn es birgt ernsthafte ethische und rechtliche Fragen.
In Europa tritt 2018 eine neue Datenschutzverordnung in Kraft. Sodexo verpflichtet sich natürlich zu deren Einhaltung. Darüber hinaus werden wir aber auch dafür sorgen, dass der Sinngehalt des Datenschutzes im Vordergrund steht.

Welche Schritte hat Sodexo konkret unternommen, um Datenschutz und Datensicherheit zu gewährleisten?
Denis Machuel: Wir stellen abteilungsübergreifende Arbeitsgruppen auf und erstellen die erforderlichen Teilprojekte, mit denen Datenschutz und die Einhaltung aller diesbezüglichen Regeln weltweit sichergestellt werden. Außerdem haben wir Datenspezialisten eingestellt, die mit der am Big-Data-Prozess beteiligten Finanz-, IT- und Rechtsabteilung zusammenarbeiten.

Wenn diese Arbeitsgruppen ihre Tätigkeit aufnehmen, wie wird Sodexo in der Zukunft von Big Data profitieren?
Denis Machuel: Kürzlich haben wir in Wynd investiert, ein Startup, das uns dabei unterstützen wird, unsere Services vor Ort sowie unsere mit Arbeitgeberleistungen und Prämien verbundenen Services zu bündeln, um den Nutzern ein breiteres Angebot bereitzustellen. So stehen im Rahmen unseres neuen Programms Mitarbeitern, die Zugang zu einer von Sodexo betriebenen Kantine am Standort haben, nicht nur diese, sondern auch Restaurants in der Nähe oder die Lieferung bis an den Schreibtisch offen. Mit Wynd nutzen wir Daten, sehen Bedürfnisse und Verhaltensweisen von Mitarbeitern voraus und entwickeln für diese proaktiv vielfältige Optionen für das Mittagessen.

Wie es scheint, kann Big Data Sodexo auch dabei helfen, seine Partnerschaften mit lokalen Händlern zu stärken. Sehen Sie das genauso?
Denis Machuel: Absolut. Derzeit wird die Sodexo Karte von 1,3 Mio. Partnern an über 3 Mio. Orten weltweit akzeptiert. Durch uns erhöht sich der Kundenverkehr für diese Anbieter, und je mehr wir qualitative Daten erfassen und Kunden typisieren, umso mehr stärkt dies die Partnerschaft. Die Daten ermöglichen uns die Erstellung maßgeschneiderter Angebote und Lösungen in Zusammenarbeit mit unseren Händlern.

Worauf müssen Unternehmen achten, um Big Data erfolgreich zu nutzen?
Denis Machuel: Der Schlüssel zum Erfolg mit Big Data liegt nicht darin, Tonnen von Daten zu sammeln, sondern in der Fähigkeit, herauszusieben, was wichtig ist. Hier kommen Datenexperten ins Spiel. Wenn ein Unternehmen die richtigen Talente einstellt, kann es mit deren Hilfe in den Daten Trends, Muster und Motive erkennen, auf dieser Grundlage eine gesündere Arbeitsumgebung schaffen und potenzielle Gesundheitsrisiken frühzeitig ausmachen.
Kurz gesagt ist der Zugriff auf Big Data allein nicht ausreichend, um Mehrwert zu schaffen. Sie müssen auch die richtigen Fragen stellen: Wie sollen die Daten analysiert werden? Wie können wir mit diesem Wissen unsere Programme so anpassen, dass sie auf die Verhaltensweisen und Bedürfnisse unserer Kunden und Verbraucher eingehen?

Können Sie ein Beispiel liefern, wie diese Art von „Echtzeitdaten“ zum Erfolg eines Anerkennungsprogramms beiträgt?
Denis Machuel: Ein gutes Beispiel für die nutzbringende Verwendung von Big Data sind Gesundheits- und Vorsorgeprogramme für Mitarbeiter. Apps und Wearable-Technologien helfen Unternehmen dabei, die Sport- und Ernährungsgewohnheiten ihrer Angestellten besser zu verstehen. Auf dieser Grundlage können sie Programme zur Motivation der Angestellten entwickeln, was wiederum zu einem gesünderen Arbeitsplatz und erhöhter Konzentration auf die Lebensqualität jedes Mitarbeiters beiträgt.
Ein weiterer Bereich, der seit dem Aufkommen von Big Data einem Wandel unterliegt, ist die Mobilität und hier insbesondere das tägliche Pendeln, aber auch Geschäftsreisen über größere Entfernungen. Je besser wir Verwendungsgewohnheiten und Verhaltensweisen verstehen, desto mehr können wir unsere Lösungen und Programme optimieren und den Mitarbeitern unserer Kunden wie auch unseren eigenen eine umfangreiche Palette an Leistungen bieten. Ziel ist es, den Alltag der Angestellten zu vereinfachen.

Welche Gedanken möchten Sie abschließend über Big Data äußern?
Denis Machuel: Eines kann ich nicht genug betonen: Big Data ist ein unglaubliches Werkzeug, das uns unendliche Möglichkeiten bietet, doch zugleich ist dies ein sehr komplexes Thema. Wir müssen einen Weg finden, die Vorteile aus der Nutzung von Big Data mit der Notwendigkeit zum Schutz der Privatsphäre in Einklang zu bringen. Es geht darum, zu analysieren, zu verstehen und Lösungen zu entwickeln, nicht darum, die Aktivitäten von Personen zu verfolgen. Für uns ist dieser Unterschied entscheidend.

Über Stefanie Rehm

Stefanie Rehm ist Diplom-Onlinejournalistin und für eine Frankfurter Internetagentur tätig. Als Expertin für alle Formen der unternehmensinternen und – externen Kommunikation kümmert sie sich unter anderem um diverse Online-Magazine oder um die Außendarstellung der Agentur-Kunden. Seit über drei Jahren schreibt sie regelmäßig Fachartikel und Blogartikel rund um Human Resources Management.