Mitarbeitermotivation ist unbezahlbar

Der Irrglaube ans Geld – warum Motivation unbezahlbar ist

Motivation am Montag von Nicola Fritze, Expertin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Als der Applaus der knapp 600 Führungskräfte im Berner Kursaal letzte Woche nach meinem Vortrag „Motivier dich selbst! Sonst macht’s keiner.“ endete, fragte mich der Moderator: „Wenn wir uns nur selbst dauerhaft motivieren können, dann braucht’s ja keine Boni mehr.“ Darauf ich: „Richtig!“ Der Herr hat verstanden. Doch die meisten Führungskräfte, die ich treffe sind immer noch der Meinung: Geld motiviert! Mit diesem Glauben sind sie nicht allein. Eine aktuelle Studie der britischen University of Reading, veröffentlicht im Fachmagazin Motivation Science, zeigt: die meisten Menschen sind der festen Überzeugung, dass man mit ein paar mehr Euros Menschen dazu motivieren kann, besser zu arbeiten.

Geld gegen intrinsische Motivation

Das zeigt mal wieder: mit der Schwarmintelligenz ist es manchmal nicht so weit her. Die Forschung zeigt seit Jahren, dass finanzielle Anreize bestenfalls kurzzeitig motivieren. Langfristig untergraben sie sogar motiviertes Arbeiten. Warum? Weil Geld unsere intrinsische Motivation abgräbt. Wenn wir einmal für Dinge bezahlt werden, wollen wir auch zukünftig Geld dafür sehen. Dass wir dieselbe Aufgabe unter Umständen mit viel mehr Freude unbezahlt erledigt hätten, gerät schnell in Vergessenheit.

Mir gefällt die neue Studie besonders, weil sie diesen Effekt am Beispiel eines Spiels beweist. Die Psychologinnen boten einer Versuchsgruppe Geld an, um ein Spiel zu spielen. Eine zweite Vergleichsgruppe erhielt für genau dasselbe Spiel keinerlei Belohnung. In einer Folgestudie befragten die Forscherinnen dann mehrere hundert Menschen, ob die bezahlte oder die unbezahlte Gruppe motivierter sein würde, das Spiel zu spielen. Das Ergebnis: Über 60% waren felsenfest davon überzeugt, dass die bezahlte Gruppe mit mehr Motivation dabei war als diejenigen Spieler, die unbezahlt waren.

Sie ahnen es schon – das Gegenteil ist richtig. Tatsächlich hatten die Unbezahlten eine höhere Motivation, weiter zu spielen. Der Grund kann zweierlei sein. Wer einmal bezahlt worden ist, will für dieselbe Tätigkeit immer wieder Geld sehen. Und wenn wir Menschen bezahlen, um etwas zu tun, fühlen sie sich in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeschränkt. Das nimmt Freude – ganz egal, wie freudvoll die bezahlte Aufgabe letztendlich ist.

Ich würde solche Ergebnisse am liebsten in jedem Unternehmen an die Führungsetage verteilen. Dort ist der Wunderglaube an finanzielle Bonussysteme immer noch weit verbreitet. Und das, obwohl die letzten Jahre uns eher gezeigt haben, was für falsche Anreize durch große Extrazahlungen gesetzt werden.

Die Wahrheit ist eben: Motivation ist unbezahlbar. Denn wenn Mitarbeiter für etwas brennen, kommen Leidenschaft und Freude vor allem von innen. Führungskräfte können also nicht so sehr über Geld locken, sondern eher mit Wertschätzung, dem Interesse an den eigenen Mitarbeitern, der Unterstützung der Mitarbeiter bei der ausgeglichenen Mittagsverpflegung und dem Schaffen eines gesunden Arbeitsklimas. Wichtig ist, dass Chefs und Führungskräfte die inneren Ressourcen und Leidenschaft anzapfen: Die Lust zu wachsen, zu lernen und in kreativer Freiheit zu arbeiten.

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.