Sicherheit am Arbeitsplatz

Anreizprogramme für Mitarbeiter: Der Weg zu mehr Sicherheit am Arbeitsplatz

... und was Anerkennungs- und Bonussysteme damit zu tun haben

Die Unfallursachen unterscheiden sich zwar voneinander, aber in vielen Branchen ist der Arbeitsplatz ein gefährlicher Ort. Jedes Jahr sterben mehr als 300.000 Menschen weltweit bei Unfällen am Arbeitsplatz. Wie können Anerkennungs- und Bonussysteme dazu beitragen, diese Zahl zu verringern? Wir sprechen mit Raphaelle Rouvroy, Incentives & Recognition Marketing Director, Sodexo Benefits and Reward Services.

Welche Tragweite hat die Sicherheit am Arbeitsplatz?

Alle 15 Sekunden stirbt irgendwo auf der Welt ein Arbeiter bei einem Berufsunfall.[1]. Das sind 321.000 Menschen pro Jahr und geschätzte 317 Millionen Arbeitsunfälle! Diese Zahlen der Internationalen Arbeitsorganisation machen deutlich, wie viele Menschenleben diese Unfälle kosten. Aber auch in wirtschaftlicher Hinsicht wird ein hoher Preis dafür gezahlt. Laut IAO machen die Kosten für Unfälle und Krankheiten am Arbeitsplatz 4 % des Bruttoinlandsprodukts bzw. etwa $2,8 Billionen pro Jahr aus.

Sind die Sicherheitsrisiken denn nicht auf die Industrie oder die Baubranche beschränkt?

Für einen Koch in einer Kantine, einen Büroangestellten oder einen Objektmanager scheint es zwar auf den ersten Blick keine allzu großen Gefahren zu geben, aber Unfälle passieren überall. In nahezu jedem Arbeitsumfeld gibt es z. B. Treppen. In einem kurzen Moment der Unachtsamkeit vergisst man vielleicht, ein Warnschild auf einer frisch geputzten, rutschigen Treppe aufzustellen – oder man lässt eine Kiste unbeaufsichtigt in einer Halle stehen. Und schon entsteht Unsicherheit oder sogar Gefahr.

Welche Auswirkungen hat das auf ein Unternehmen?
Intern hat das erhebliche Folgen für die Manager, denn sie haben eine Sorgfaltspflicht gegenüber ihren Mitarbeitern. Auf externer Ebene baut der Markt den Druck auf, dass ein Unternehmen gegenüber der Gesellschaft verantwortungsvoll handeln und für das Wohlergehen seiner Mitarbeiter sorgen muss, und auch der Druck von Aufsichtsbehörden steigt. Beispielsweise kann ein Unternehmen daran gehindert werden, sich an einer Ausschreibung zu beteiligen, falls seine Unfallhäufigkeit (Lost Time Injury Rate (LTIR)) zu hoch ist.

Warum ist es so wichtig, das Verhalten am Arbeitsplatz zu verbessern, und wie kann Sodexo dazu beitragen?

Aus Studien geht hervor, dass 52 % der Menschen nicht eingreifen würden, wenn sie unvorsichtige Verhaltensweisen beobachten.[2], 79 % wissen nicht, wo ein Gesundheits- und Sicherheitsproblem erfasst werden kann,[3] und 82 % haben noch nie ein Gesundheits- und Sicherheitsproblem gemeldet[4]! Bei der Entwicklung eines Anreizprogramms für Mitarbeiter müsste zugrunde gelegt werden, dass die meisten Unfälle von Menschen und nicht von Maschinen verursacht werden. Anreize zur Verbesserung der Sicherheit dürfen also nicht einfach nur darauf beruhen, dass bestimmte Verfahren befolgt werden, sondern Gefahren müssen proaktiv ermittelt und verhindert werden. Wenn Ihnen beispielsweise eine Wasser- oder Öllache oder ein herunterhängendes Kabel auffällt, dann sollten Sie dafür sorgen, dass dieses Problem gelöst wird. Dabei geht es nicht nur um Ihre eigene Sicherheit, sondern auch um verantwortungsvolles Handeln gegenüber den Menschen in Ihrer Umgebung.

Aber sind das nicht belanglose Einzelheiten?

Nein, denn die Sicherheit gleicht einer Pyramide: An ihrem Fuß befinden sich die Beinahunfälle und kleineren Zwischenfälle, und die Spitze bilden die schweren Unfälle. Und es gibt eine Verbindung: Auf 600 Beinahunfälle entfallen 10 kleinere Unfälle und ein schwerer Unfall[5]. Unsere Sicherheitsprogramme zielen auf den Fuß der Pyramide ab, wo sie einen wirklichen Beitrag zur Unfallverhütung leisten können – was sich dann bis hoch zur Spitze auswirkt. Wenn wir die Belohnungen mit der Unfallverhütung verknüpfen und nicht mit einer nachlaufenden Kennzahl wie LTIR, dann besteht nicht mehr die Gefahr, dass zu wenige Zwischenfälle gemeldet werden. Mit Unterstützung einer starken Managementkultur und kontinuierlicher Verbesserung wollen wir unser Ziel „Zero Accidents“ erreichen.

Wie funktioniert denn ein Belohnungssystem?

Die Belohnung und Anerkennung von wichtigen Maßnahmen zur Unfallverhütung erfolgt über unsere spezielle Web-Plattform und eine mobile App. Wir haben sechs wichtige Maßnahmen zur Unfallverhütung ermittelt, die die Sicherheit am Arbeitsplatz verbessern und daher belohnt werden sollten: Sicherheitsbeobachtungen, Sicherheitsvorschläge, Sicherheitsrundgänge, kurze Sicherheitsbesprechungen, Sicherheitsquizfragen und Beobachtungen von Verhaltensweisen (natürlich können auch andere Maßnahmen und Verhaltensweisen belohnt und/oder anerkannt werden). Zu diesen Maßnahmen zur Unfallverhütung kommen zwei Arten der Anerkennung hinzu: die Anerkennung unter Kollegen und die Nominierung für Sicherheitsauszeichnungen. In diesem Zusammenhang hat man viele Optionen: ein Post-it-Zettel am Arbeitsplatz des Mitarbeiters mit Glückwünschen zu seiner Leistung, ein öffentliches Lob, die Anmeldung des Mitarbeiters zur Teilnahme an einem Gewinnspiel oder die Verleihung eines Preises über unsere Plattform, auf der eine Vielzahl von Belohnungen zur Wahl stehen. In Kombination können diese unspektakulären Maßnahmen zu spektakulären Verhaltensänderungen führen – und große Auswirkungen auf die Sicherheitskultur eines Unternehmens haben, denn die Mitarbeiter setzen sich mehr und mehr für das Ziel „Zero Accidents“ und für die kontinuierliche Verbesserung ein.

Welche anderen Vorteile als die Unfallverhütung hat eine verbesserte Sicherheitskultur? Warum sind proaktive Sicherheitsprogramme so wichtig?

Wir fördern eine Verwandlung der Sicherheitskultur von einem Ansatz, der auf Richtlinien, Kontrollen und Strafen beruht, in ein Belohnungs- und Anerkennungssystem, das auf Verhaltensänderungen abzielt. Wir versprechen unseren Kunden, die Verankerung einer Zero Accident-Denkweise und den Wunsch nach kontinuierlicher Verbesserung in ihrer Unternehmenskultur zu fördern. Dies spielt auch eine große Rolle, um nachhaltige Ergebnisse zu erzielen. Mitarbeiterfluktuation und stetige Veränderung der Arbeitsumgebung wird es immer geben. Auch Saisonabhängigkeit spielt eine große Rolle: Im Lager eines Online-Einzelhändlers herrscht beispielsweise in der Vorweihnachtszeit mehr Hektik als im Sommer.

Wie bleibt man langfristig erfolgreich?

Ein Anreizprogramm für Mitarbeiter lässt sich mit vielerlei Methoden interessant gestalten – mit einem neuen Quiz, einem neuen Schulungsprogramm oder einer neuen Kampagne; beispielsweise haben wir bei einem Kunden den Schwerpunkt ein Jahr lang auf Gefahren in Verbindung mit Elektrizität gelegt und uns im Folgejahr auf sichere Lagermethoden konzentriert. Die Kunden können außerdem die Methode der Punktevergabe anpassen, um bestimmte Sicherheitsaktionen bevorzugt zu behandeln. Sodexo verfügt über eine Fülle von Erfahrungen mit Zuwendungen und Prämien, die wir auch für unsere Incentive-Programme im Bereich Arbeitsschutz nutzen können.

Zero Accidents: Durchaus machbar!

Ein Kunde aus der Öl- und Gasbranche nutzte unser Arbeitsschutz-Bonusprogramm im Golf von Mexiko: Die Mitarbeiter des Standorts erhielten jedes Quartal Punkte, wenn sie fünf Sicherheitsbeobachtungen, einen Sicherheitsrundgang oder eine Sicherheitsprüfung und fünf Sicherheitsbesprechungen durchgeführt hatten. Auf unserer Online-Plattform konnten die Mitarbeiter dann ihre Punkte in Geschenke umtauschen. Der LTIR wurde im ersten Jahr um 39 % und im zweiten Jahr um 100 % gesenkt und ist in den letzten drei Jahren bei null geblieben! Bei einem anderen Kunden, dem Gastronomiedienstleister eines europäischen Kunden aus der Gesundheitsbranche, wurden im Rahmen des Programms von Sodexo vierteljährlich Prämien für die Anzahl der Sicherheitsbeobachtungen der Teilnehmer vergeben. Der LTIR ist in den ersten sechs Monaten um 30 Prozentpunkte gesunken und fällt weiter; gleichzeitig ist das Sicherheitsbewusstsein gestiegen.

 

[1] http://www.ilo.org/global/about-the-ilo/newsroom/news/WCMS_211627/lang–en/index.htm

[2] Befragung von Experten aus der Technologiebranche zu Themen im Bereich Umwelt, Gesundheit und Sicherheit, Antea Group, Juni 2015

[3] Studie von P&MM Sodexo zu Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz 2015; 1319 Teilnehmer, beschäftigt bei 52 Organisationen in Großbritannien

[4] Studie von P&MM Sodexo zu Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz 2015; 1319 Teilnehmer, beschäftigt bei 52 Organisationen in Großbritannien

[5] Studie von Frank E. Bird. 1969. http://crsp-safety101.blogspot.co.uk/2012/07/the-safety-triangle-explained.html

Über Stefanie Rehm

Stefanie Rehm ist Diplom-Onlinejournalistin und für eine Frankfurter Internetagentur tätig. Als Expertin für alle Formen der unternehmensinternen und – externen Kommunikation kümmert sie sich unter anderem um diverse Online-Magazine oder um die Außendarstellung der Agentur-Kunden. Seit über drei Jahren schreibt sie regelmäßig Fachartikel und Blogartikel rund um Human Resources Management.