Drei Männer schieben Kinderwagen

Väter-Revolution: Immer mehr männliche Mitarbeiter in Elternzeit?

Gendermanagement: Eine Kolumne von Nicola Fritze, Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Amerikas Väter-Revolution ist in vollem Gang! Naja, das meint zumindest die Zeitung Die Welt. Anlass ist Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Der Internet-Milliardär nimmt sich eine Auszeit für seine kleine Tochter. Monate lang will er Pause machen und sich voll und ganz um die Kleine kümmern.

Gähn… so habe zumindest ich auf die Nachricht reagiert. Denn was die Amerikaner feiern, haben wir doch schon längst! Schließlich ist die Elternzeit seit einigen Jahren gut etabliert. Und ich kenne viele Väter (nicht zuletzt meinen Mann), die sich nach der Geburt ihres Kindes eine Auszeit vom Job nehmen.

Tja, wie man sich irren kann. Mein Gähnen ist mir schnell vergangen, als ich ein bisschen zum Thema recherchiert habe. Erst bin ich auf die gute Nachricht gestoßen. Deutsche Väter nehmen mehr und mehr das Elterngeld an, also die bezahlte Auszeit aus dem Job. Rund ein Drittel aller Männer mit Kleinkind verabschiedet sich für kurze Zeit aus dem Büro. Wobei ich das mit der kurzen Zeit ernst meine. Denn 80% von ihnen nehmen nur zwei Monate Elterngeld in Anspruch, also die gesetzliche Mindestgrenze, die man nehmen muss, damit 14 Monate lang das staatliches Geld fließt.

Etwas anders sieht es aus, wenn wir auf unbezahlte Elternzeit blicken. Das ist in Deutschland zwar durchaus üblich – aber fast nur für Frauen! Die Statistik von 2014 zeigt: über 40% aller Mütter mit Kindern unter 3 Jahren bleiben ohne finanziellen Ausgleich zuhause. Bei Kindern unter 6 Jahren sind es immerhin noch 24% aller Mütter. Ganz anders bei den Vätern. Die verabschieden sich zu 2% bei unter 3-Jährigen für eine Karriere-Auszeit, und sogar nur zu 1% bei den unter 6-Jährigen.

Ein Grund dafür: Das Geld. Denn nach wie vor verdienen Väter zum Zeitpunkt der Geburt ihres Kindes meist deutlich mehr als Mütter. Längere Auszeiten sind also eher im Geldbeutel spürbar, wenn der Mann aus dem Büro wegbleibt. Rechnerisch ist deshalb schnell nachvollziehbar, warum Männer kürzere Elternzeiten als Frauen nehmen.

Aber so einfach ist es nicht. Denn viele Frauen drängen stark darauf, mehrere Monate Vollzeit für ihr Kleinkind da sein zu können. Nur wenige Paare können es sich leisten, für längere Zeit zu zweit zuhause zu bleiben. Also gehen die Väter wieder arbeiten – auch auf Drängen der Frauen!

Eigentlich komisch. Denn aus weiblicher Perspektive gibt es gute Gründe, jungen Vätern Auszeiten zu ermöglichen, die so lange wie möglich sind. Denn Männer, die sich nach der Geburt einige Zeit Vollzeit um Kinder und Haushalt kümmern, packen dauerhaft mehr mit an. Wer als Elternpaar also frühzeitig auf Rollenteilung achtet, teilt die Lasten dauerhaft gerechter auf! Das erleichtert den Frauen das Leben als berufstätige Mutter langfristig natürlich enorm. Wer Haushalt und Erziehung auf zwei Paar Schultern verteilen kann, hat einfach mehr Freiraum für die Arbeit.

Über diesen Punkt macht sich Mark Zuckerberg vermutlich nicht so viele Gedanken. Der Multi-Milliardär kann sich mit Hundertschaften von Haushaltshilfen und Erzieherinnen versorgen, wenn er das möchte. Und trotzdem ist sein Signal klasse. Wenn ein Firmenchef sich zwei Monate ausklinken kann – wieso soll es dann für mittlere und „kleine“ Angestellte nicht möglich sein?

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.