Mitarbeiterin sitzt mit dem Laptop auf einem Hochhaus über der Skyline

Ergebnisse statt Präsenz – so glänzen Ihre Mitarbeiterinnen durch Abwesenheit

Gendermanagement: Eine Kolumne von Nicola Fritze, Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Ergebnisse statt PräsenzWollen Sie gerne arbeiten, wann es gerade gut für Sie passt? Fänden Sie es gut, wenn Sie Ihre Aufgaben selbst einteilen könnten? Wenn Sie Ihre Präsenzzeit im Büro ebenso selbst in der Hand haben wie Ihre Arbeitszeit? Hauptsache, Sie werden fertig mit ihren Aufgaben – der Rest obliegt Ihnen. Klingt gut, oder?

Klingt nicht nur gut, sondern hat auch einen Namen. Results Only Work Environment – so heißt das Konzept, das seit Jahren zunehmend offene Ohren findet. Das Grundprinzip ist einfach: Nur die Ergebnisse zählen, nicht die Präsenz am Arbeitsplatz. Solange Mitarbeiter ihr Pensum zuverlässig und erfolgreich abarbeiten, obliegt ihnen, wann, wo und wie das geschieht.

Aus meiner Sicht ist Results Only eine große Chance für besseres Gendermanagement. Bislang nämlich wird in den meisten Unternehmen nicht Effizienz, sondern Präsenz belohnt. Davon profitieren vor allem diejenigen Kollegen, denen Anwesenheit im Büro leicht möglich ist. Das sind in der Regel die männlichen Mitarbeiter – zumindest diejenigen ohne den Wunsch, so viel Zeit wie möglich an anderen Orten als dem Schreibtisch zu verbringen.

Wer stattdessen auf Output schaut, anstatt nur die Stunden der körperlichen Anwesenheit zu zählen, kann neue Wege eröffnen. Viele meiner Kunden berichten mir davon, wie außergewöhnlich produktiv, kreativ und effizient gerade diejenigen arbeiten, die am wenigsten Zeit haben: Junge Mütter in Teilzeit, aber auch Väter, die Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen. Bislang ist diesen Leistungsträgern der Karriereweg nach oben meist versperrt – dort stehen in der Regel diejenigen Schlange, die Vollzeit anwesend sind. Und das, obwohl ihre Leistung nicht zwingend besser ist als die derjenigen, die nur Teilzeit anwesend sind.

Im Results Only Work Environment könnte sich das schnell ändern. Tatsächlich wäre es in den meisten Unternehmen eine fundamentale Veränderung, wenn ausschließlich auf die Qualität der Ergebnisse geschaut würde, anstatt nur diejenigen im Blick zu haben, die immer im Büro sind. Viele Frauen hätten hier auf einmal die Nase vorn. Nicht nur, weil sie gut arbeiten. Sondern auch weil der Blick auf Präsenz und Machtspielchen heute häufig den Blick auf diejenigen verstellt, die im Stillen gute Arbeit leisten – und im Zweifel um 16 Uhr das Büro verlassen, um die Kinder aus der Kita abzuholen.

Mir fällt eine wunderbare Anekdote ein, die mir ein Kunde einmal erzählt hat, der heute Führungskraft ist. Als junger Mitarbeiter verbrachte er wahnsinnig viel Zeit im Büro. Auch weil er wusste, dass der CEO, der auf derselben Etage saß, auch immer spät da war. Einmal kam mein Kunde sogar am Wochenende ins Unternehmen. Irgendwann klopfte der CEO an die Türe und fragte ihn: „Warum sind Sie denn heute hier, anstatt frei zu machen? Arbeiten Sie wirklich so ineffizient?“

Ich grinse immer, wenn ich an diese Geschichte denke. Der CEO hat nämlich genau begriffen, worum es geht: um Ergebnisse. Er hat nicht den Fehler gemacht, meinem Kunden auf die Schulter zu klopfen und zu sagen: „Was sind Sie fleißig. Sie sind sogar am Wochenende“ Damit hat die Spitzenkraft bei meinem Kunden ein wichtiges Umdenken angestoßen, das heute noch seine Auffassung guter Arbeit prägt

Denn auch so herum kann man denken: Wer die ganze Zeit da ist, scheint in seiner vielen Arbeitszeit wenig zu schaffen. Wenn wir die Results Only-Regeln anwenden, wenden wir das Prinzip in sein Gegenteil. Held ist dann derjenige, der am meisten schafft in der wenigsten Zeit. Das darf freilich nicht in Druck und Hetze ausarten. Aber wenn Ergebnisorientierung sorgsam zur Priorität Nummer Eins würde, wären viele Firmen auf der Gewinnerseite. Sie erhöhen die Arbeitsmotivation, gewinnen einen neuen Blick auf bislang unerkannte Führungstalente und steigern im Zweifel auch noch die Produktivität.

Also: nichts wie her mit den Ergebnissen!

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.