HRM: Home-Office

Das Ende des Home-Office? Wie wir uns durch Einzelfälle ins Bockshorn jagen lassen

Motivation am Montag von Nicola Fritze, Expertin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

 Die Nachricht ging durch das Netz wie ein Donnerhall: der IT-Riese IBM ruft alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Home-Office zurück ins Büro.

Was als Nachricht über ein einzelnes Unternehmen beginnt, endet schnell in Deutungen für die gesamte Arbeitswelt: Ist jetzt Schluss mit dem Trend hin zur flexiblen Arbeit? Ist Home-Office ein gescheitertes Modell? Diejenigen, die schon immer gegen Arbeiten außerhalb der Büroräume waren, sind sich jetzt doppelt sicher: Jetzt kehren wir endlich wieder zurück zum Normalzustand! Die Fans der flexiblen Arbeit hingegen tun ihr Bestes, um zu versichern, dass IBM einen großen Fehler macht.

Schon 2013 erregte die Schlagzeile Aufsehen, dass Yahoo Schluss macht mit der Arbeit am heimischen Schreibtisch. Marissa Meyer rief die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des krisengeschüttelten Unternehmens per Rundschreiben zurück an die Schreibtische in der Unternehmenszentrale.

Home-Office streichen als effiziente Maßnahme?

Was heißt das nun für die Führung im eigenen Unternehmen? Müssen Sie morgen ein Anschreiben aufsetzen, um Ihr Team zurück ins Büro zu beordern?

Ich glaube: IBM und Yahoo machen einen Riesenfehler. Wie viele Unternehmen in der Krise, greifen sie zu Maßnahmen, die nichts besser, aber unter Umständen vieles schlechter machen. Der Effekt, den wir hier sehen, ist nichts Neues. Wenn Stress und Angst regieren – wie es in schlechten Zeiten oft der Fall ist – fallen Führungskräfte schnell zurück in längst überwunden geglaubte Führungs- und Verhaltensmuster.

Soweit ich beurteilen kann, lassen sich die beiden angeschlagenen IT-Firmen von einem Panikreflex leiten. Je unkontrollierbarer die Situation wird, desto zwanghafter versucht man, Kontrolle zu gewinnen. Zahlen werden doppelt geprüft, Regeln und Vorschriften verschärft – und die Belegschaft unter Kontrolle gestellt. Alles unter der irrigen Annahme: Wenn wir die Zügel anziehen, läuft es besser!

Das Beispiel Yahoo zeigt, wie wenig das hilft. Dem Unternehmen geht es keinen Deut besser, seit wieder Präsenzzwang angesagt ist. Und die Forschung zeigt, dass Angestellte, die zuhause arbeiten, ebenso produktiv oder sogar produktiver sind als ihre Kolleginnen und Kollegen im Büro. Es gibt, natürlich, auch Menschen, die das Vertrauen ihres Arbeitgebers ausnutzen. Aber im Schnitt profitieren Unternehmen mehrfach, wenn sie flexible Arbeit zulassen. Sie sparen Kosten, ernten die Früchte einer motivierteren Belegschaft, und erhalten mehr Leistung für dasselbe Gehalt.

Natürlich können Unternehmen ihre Regeln verändern, umsteuern und manchmal auch zurückrudern. Der Weg in die neue Arbeitswelt ist ein andauerndes Experimentieren. Manche Innovationen funktionieren, andere nicht. Absolute Flexibilität zum Beispiel schadet der Unternehmenskultur – ein gewisses Maß an physischer Anwesenheit und persönlicher Gespräche ist ganz entscheidend für erfolgreiche Unternehmen. Aber dennoch: Wann immer Firmen von einem Tag auf den anderen das Rad der Geschichte zurückdrehen, sollte die Alarmglocke angehen. Wer so hart umsteuert, hat in aller Regel Probleme, die sich mit Kontrolle und Präsenzkultur erst recht nicht lösen lassen.

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.