Arbeitnehmer schaut auf seine Uhr

Chef in Teilzeit? Job-Sharing für Führungskräfte

Veränderung trifft Motivation - eine Kolumne von Ilja Grzeskowitz, Motivationsexperte, Firmenberater und Veränderungs-Coach

Boss in TeilzeitMorgens Manager, mittags Mamaersatz: Längst hat das klassische Familienmodell mit dem Mann als Alleinernährer ausgedient. Heute gibt es Patchwork-Familien, Alleinerziehende und Väter im Erziehungsurlaub zwischen Krabbelgruppe und Babyschwimmen. Aber deswegen gleich auf eine Führungsposition verzichten? Nein, sicher nicht. Job-Sharing in deutschen Chefetagen lautet hier die Lösung. Viele Führungskräfte praktizieren bereits das Führen in Teilzeit und kümmern sich neben ihrem Beruf um die Kinder, bekleiden zusätzlich zu ihrem Managerjob eine Position in Verwaltungs- und Stiftungsräten, haben einen Lehrauftrag, engagieren sich sozial oder genießen einfach lieber ihre Freizeit. Führen in Teilzeit ist nicht nur zeitgemäß sondern durchaus auch betriebswirtschaftlich rentabel für das Unternehmen.

Teilzeitmodelle auf Führungsebene: weniger ist mehr!

Zeit ist unsere wichtigste Ressource, sowohl in der Arbeitswelt als auch im Privatleben. Daher sollte diese den Bedürfnissen und Prioritäten des Einzelnen entsprechend angepasst und eingeteilt werden. Gerade der jüngeren Generation Y sind flexible Arbeitszeiten, eine ausgewogene Work-Life-Balance und familienfreundliche Arbeitsmodelle wichtiger denn je. Das gilt auch für Chefs und Führungskräfte. Also warum sollen auch sie nicht die Möglichkeit erhalten in Teilzeit zu arbeiten?

Ich bin fest davon überzeugt, dass es genau hier zu einem Paradigmenwechsel kommen muss. Warum soll es 2015 nicht absolute Norm sein, dass sich zwei Personen die Geschäftsführung teilen? Warum sollte zum Beispiel ein junger Geschäftsführer und Vater nicht die Möglichkeit erhalten, seine Arbeitszeiten flexibel an den Stundenplan anzupassen? Warum sollte ein pfiffiger Geschäftsmann seine Arbeit nicht von seinem Laptop aus am Strand verrichten können? Fest steht doch, motiviert, vital, produktiv und engagiert ist am Ende der, der ausgeglichen, erholt und zufrieden ist und genau solche Chefs und Führungskräfte sind ausschlaggebend für den Erfolg eines Unternehmen. Sie müssen funktionieren. Und wer tut das auf Dauer schon, wenn er bis zu 60 Stunden die Woche arbeitet und sich irgendwann nur noch ausgelaugt fühlt?

Doch anstatt diese Entwicklung als großartige Chance zu sehen, haben viele immer noch Angst, die inneren Firmenstrukturen den äußeren Veränderungen anzupassen.

So gelingt Führen in Teilzeit

Wer auf der Führungsebene Teilzeitmodelle etablieren möchte, muss sich gut organisieren und vor allem auf eine regelmäßige Kommunikation setzen – besonders mit der Person, mit der der Job geteilt wird. Netzwerktreffen und Tools wie Skype oder das Intranet sind hier hilfreiche Mittel zur Abstimmung mit anderen Führungskräften, Projektmanagern und Mitarbeitern.

Wichtig ist es zudem, Verantwortung an die Mitarbeiter zu übertragen: Der ideale Angestellte führt sich sozusagen selbst. Wer selbst Verantwortung übernimmt, ist ohnehin motivierter und fühlt sich enger mit dem Unternehmen verbunden. Die Übertragung von Verantwortung zeugt immer von Vertrauen und ist ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber den Angestellten.

Haben Sie immer ein offenes Ohr für Ihre Mitarbeiter, auch wenn Sie nur noch halb so oft im Büro sind.

Machen Sie klar, dass Leistungsfähigkeit nicht an eine Rund-um-die-Uhr-Präsenz geknüpft ist. Auch den Respekt seitens der Mitarbeiter verdient man sich nicht über die Zeit der Anwesenheit sondern über andere Tugenden wie Fairness, Verständnis und das Fördern der Angestellten.

Und last but not least, vergessen Sie nicht:

„Gehe nicht, wohin der Weg führen mag, sondern dorthin, wo kein Weg ist und hinterlasse eine Spur.“
Jean Paul

Über Ilja Grzeskowitz

Der Motivationsspezialist Ilja Grzeskowitz gilt als Experte auf seinem Gebiet, ist Firmenberater, Veränderungs-Coach, Buchautor und gefragter Keynote Speaker. Für seine Arbeit und sein Engagement erhielt er bereits Auszeichnungen wie u.a. den “Publikumspreis für herausragende Rednerleistungen” und den Rednerpreisen “Best Media 2013″ sowie den “Best Performer 2014″. Als ehemaliger Geschäftsführer kennt er sich aus mit Mitarbeitermotivation und den Herausforderungen in der Chefetage.