Arbeitszeitmodelle

Wie die Vier-Tage-Woche und Co. funktionieren können: Vorbilder und Erfolgsmodelle aus der Praxis

Dauer-Stress, Unzufriedenheit am Arbeitsplatz und Burnout: In Deutschland setzt so manches Unternehmen jetzt auf flexible Arbeitszeitmodelle oder die Vier-Tage-Woche. Der klassische Acht-Stunden-Job mag 2017 nicht mehr wirklich in Konzept und Kultur zahlreicher Betriebe passen. Zudem hoffen Arbeitnehmer laut der aktuellen Studie „Wertewelten Arbeiten 4.0“ zunehmend auf flexiblere Arbeitsmodelle in naher Zukunft. In vielen Firmen werden sie bereits heute gelebt…

 

Flexible Arbeits- und Arbeitszeitmodelle

  • Vollzeit
  • Teilzeit
  • Jobsharing
  • Arbeitszeitkonten/ Lebensarbeitskonto
  • Vier-Tage-Woche
  • Minijob
  • Home-Office
  • Gleitzeit
  • Familienpflegezeit
  • Urlaubs-Flatrate
  • Sabbatical

Im Folgenden stellen wir Ihnen die ein oder anderen flexiblen Arbeits- und Arbeitszeitmodelle einmal genauer vor:

Flexible Arbeitszeiten-Modelle

Job-Sharing – Gemeinsam stark!

Durch das Teilen einer Stelle / eines Jobs erhalten Mitarbeiter viele Freiheiten und freie Zeit, zum Beispiel um Familienleben oder ein zweites berufliches Standbein mit der Arbeitsstelle unter einen Hut zu bekommen. Der Vorteil: Die Teilenden können sich mit ihren individuellen Kompetenzen und Stärken ergänzen oder gegenseitig beflügeln, was wiederum dem Projekt zugute kommt. Beim Arbeitszeitmodell „Job-Splitting“ wird ein Arbeitsplatz sogar von mehr als zwei Mitarbeitern ausgeübt.

Ganz gleich ob zwei oder mehrere Arbeitnehmer: Es sollte einmal pro Woche auch immer eine Überschneidungen der Arbeitszeit für Absprachen geben, damit sich die Mitarbeiter gegenseitig auf dem neuesten Stand halten können.

Arbeitszeit- und Lebenszeitkonten – Ab auf die hohe Kante!

Über Arbeitszeitkonten können Mitarbeiter geleistete Überstunden sammeln und – je nach Vereinbarung mit dem Arbeitgeber – gebündelt oder flexibel zu einem anderen Zeitpunkt als Freizeitausgleich in Anspruch nehmen.

Wie lange und wie viele Stunden summiert und abgebaut werden dürfen, hängt vom jeweiligen begleitenden Arbeitszeitmodell ab. Es gibt zum Beispiel Jahresarbeitszeitkonten, Langzeitarbeitskonten und sogar Lebensarbeitszeitkonten.

Bei Lebenszeitkonten können die gesammelten Stunden auf Wunsch für ein Sabbatical, eine verlängerte Elternzeit oder eine Vier-Tage-Woche über einen längeren Zeitraum hinweg genutzt werden, was für viele Arbeitnehmer wiederum einen großen Ansporn und Motivator darstellt.

Ob über das Konto auch ins Minus gegangen und der Arbeitgeber sozusagen auch in Vorleistung tritt, hängt vom Unternehmen selbst ab.

 

Familienpflegezeit – Familie und Beruf lassen sich vereinbaren

Ein Familienmitglied zu pflegen kostet viel Kraft und vor allem Zeit. Eine Phase im Leben des Mitarbeiters, die Unterstützung seitens des Arbeitgebers fordert. Im Rahmen der sogenannten Familienpflegezeit können Mitarbeiter, die ihre nahen Angehörige selbst pflegen, ihre Arbeitszeit auf bis zu 15 Stunden Wochenarbeitszeit reduzieren – und das für einen Zeitraum von maximal 24 Monaten.

Entschließt sich ein Mitarbeiter zum Beispiel dazu seine Arbeitszeit zu halbieren, bezieht er trotz allem 75 Prozent des bisherigen gezahlten Bruttoeinkommens. Nach der zweijährigen Familienpflegezeit wird das Arbeitspensum wieder auf die reguläre Vollzeitstelle erhöht – doch der Mitarbeiter erhält nach wie vor nur 75 Prozent des Gehalts, bis der in den vorherigen Monaten gezahlte Mehrlohn wieder ausgeglichen ist.

 

Flexible Arbeitszeiten – Erfolgsbeispiele aus der Praxis

Bei der Agentur quäntchen + glück in Darmstadt bestimmen die Mitarbeiter selbst, wann und von wo aus sie arbeiten und wie oft sie Urlaub nehmen. Voraussetzung dafür ist lediglich die rechtzeitige Absprache mit den Kunden und Kollegen – nicht nur für Eltern ein tolles Modell, um Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bekommen.

Ein vorzeigbares Beispiel, wie die Vier-Tage-Woche funktionieren kann, liefert Online Shop Betreiber Andreas Stückl von Bike Citizens. Hier arbeiten die Angestellten nur von Montag bis Donnerstag, neun Stunden pro Tag. Das funktioniere ziemlich gut: „Wir arbeiten weniger und der Laden läuft trotzdem.“

Auch das Dax-Unternehmen SAP oder die Daimler ermöglichen es ihren Angestellten, Arbeitszeiten weitgehend flexibel zu gestalten. Homeoffice, Teilzeit, verteilte Arbeitszeiten, Sabbaticals, Job Sharing, stufenweise Eintritt in die Rente sind hier bereits an der Tagesordnung.

Flexible Arbeitszeitenmodelle – was dafür spricht

  • Mitarbeitergewinnung: klares Plus für’s Recruiting im Kampf um die Fachkräfte
  • entspannte, zufriedene Mitarbeiter
  • Stärkung der Mitarbeitermotivation und -bindung
  • Flexibilität steigert Produktivität
  • besonders geeignet in der Kreativbranche: Kreativität gibt es nicht „vom Fließband“
  • Mitarbeiter können Familienzeit, Weiterbildungen, Ehrenamt und Hobbies besser nachkommen
  • Mitarbeitern können weite Anfahrtswege und teure Parkplätze häufiger mal erspart werden

Zudem können bei bestimmten Arbeitszeitmodellen die Arbeitskräfte nur dann eingesetzt werden, wenn es die Auftragslage wirklich verlangt und in weniger stressigen Zeiten Freizeitausgleich gewährt werden. Auch für global agierende Unternehmen sind flexible Arbeitszeiten von Vorteil, allein wegen der Zeiterscheinung in anderen Ländern.

 

Flexible Arbeitszeitenmodelle – was dagegen spricht

  • nicht jeder Kunde wird begeistert sein
  • die Umstrukturierung wird Zeit in Anspruch nehmen
  • etwas weniger Geld für die Mitarbeiter

 

Flexible Arbeitszeitenmodelle – was es zu beachten gilt

  • passendes Arbeitszeitenmodell für das eigene Unternehmen wählen
  • sicherstellen, dass sich das Unternehmen in einer stabilen Phase befindet
  • Fahrplan aufstellen, Führungskräfte schulen
  • Investoren mit in die Entscheidung einbeziehen
  • Mitarbeiter involvieren, gemeinsam entscheiden
  • Testlauf vereinbaren
  • Rahmenbedingungen klären: Wird die Arbeitszeit an den vier Tagen erhöht? Gibt es weniger Lohn?

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