Mobiles Arbeiten

Digital Workplace – Chancen und Herausforderungen für mobiles Arbeiten

Gehört der klassische Schreibtisch im Büro schon bald der Vergangenheit an?

  • 12th Jan 2017
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Dem digitalen Fortschritt sei Dank, müssen mehr und mehr Arbeitnehmer in Zukunft nicht mehr an den Bürostuhl gefesselt sein. Laptops, Smartphones und Tablets, Videokonferenztools und soziale Kommunikationsnetzwerke machen es möglich, im Irgendwo mit Internetzugang zu arbeiten. Out-of-office wird salonfähig und mobile first gilt auch für den Arbeitsplatz. Doch was bedeutet das für die Mitarbeiter? Meistern diese den Switch ebenso souverän wie die Technik? Welchen Einfluss hat das ortsunabhängige Arbeiten auf Effizienz und Motivation? Und wie schafft man es, Berührungsängste und Performance-Barrieren zu nehmen?

Mobiles Arbeiten im Home-Office: Segen oder Fluch?

Die einen sagen, wer nicht im Büro arbeitet, macht eigentlich blau. Die anderen sagen, im Home-Office bekommt man endlich mal was erledigt. Recht haben tatsächlich eher die Befürworter. Dies stützt auch die Studie des Stanford Wirtschafts-Professors Nicholas Bloom* aus dem Jahr 2014. Er startete ein neunmonatiges Experiment, im Rahmen dessen er 249 Arbeitnehmer eines Unternehmens mit insgesamt 16.500 Beschäftigten von zu Hause aus arbeiten ließ. Das Ergebnis: die mobilen Arbeitnehmer waren um 13% produktiver als ihre Kollegen im Büro. Sie fingen morgens pünktlicher an, machten weniger und kürzere Pausen. Diese Mehrleistung und das Weniger an Büroraum summierten sich zu einem Plus von 1.900 USD pro Jahr pro Mitarbeiter. Im Ergebnis eine echte Überraschung für die Führungsetage des Test-Unternehmens.

Doch nicht nur in Effizienz und Kosten bzw. Umsatz macht sich der Telearbeitsplatz bezahlt. Auch in punkto Motivation und Work-Life-Balance kann sich mobiles Arbeiten sehr positiv auswirken. Die 249 Probanden der Bloom-Studie zum Beispiel gaben an, im Home-Office konzentrierter bei der Sache und weitaus zufriedener mit dem Ergebnis zu sein. In einer anderen Untersuchung* aus dem Jahr 2016 fand Nico W. Van Yperen, Psychologe an der Universität Groningen, Niederlande, heraus, dass Menschen, die ein hohes Maß an Selbstbestimmung schätzen und wechselnde Arbeitsumfelder gut managen, ihre Lust am Arbeiten aus intrinsischer Motivation nähren. Der Job selbst und die damit einhergehenden Aufgaben treiben sie an und machen sie zufrieden, auch unter wachsenden Anforderungen. Die Motivation der Kollegen hingegen, die im Büro ihre Arbeit verrichten, wurde eher negativ beeinflusst, sobald die Stimmung im Büro sank und der Leistungsdruck wuchs. Van Yperens mögliche Erklärung für dieses Phänomen: eine mentale Pause ist im geregelten Büroumfeld wesentlich schwieriger umzusetzen. Mobiles Arbeiten bietet viel eher die Flexibilität, den Kopf von Stress zu befreien, ob durch eine Sporteinheit, eine Ruhepause oder eine Spielrunde mit den Kindern, um später mit neuem Schwung wieder an die Arbeit zu gehen.

Den Arbeitsplatz im Büro braucht bald niemand mehr. Oder?

Der digitale Arbeitsplatz außerhalb des Büros ist also ein echter Gewinn für alle, die eigenverantwortlicher, freier und abwechslungsreicher arbeiten wollen. Er verspricht weniger negativen Stress, mehr Spaß an der Arbeit und zudem eine bessere Work-Life-Balance. Allerdings verlangt er auch Fähigkeiten wie Selbstorganisation, -bewusstsein und -kontrolle, Eigeninitiative, Sorgfalt und Flexibilität. Doch was ist mit den Menschen, die nicht gelernt haben selbstbestimmt und selbstorganisiert zu arbeiten, die klare Routinen brauchen oder auf die sozialen Kontakte zu ihren Kollegen im Büro nicht verzichten möchten? Wird für diese Kollegen das mobile Arbeiten zum Alptraum?

Sicher nicht. Denn auch diejenigen, die dem Profil für den digitalen Arbeitsplatz nicht vollends entsprechen, können die Anforderungen meistern. Für Unternehmen kann es hier hilfreich sein, die möglichen Telearbeiter im Unternehmen mittels Persönlichkeitsprofilen zu klassifizieren und ihnen je nach Eignung Leitlinien oder professionelle Organisationstools in Form von Trainings anzubieten. Manchmal sind es auch ganz einfache Strategien, die Schwächen ausgleichen können. Diejenigen, die gerne persönlich mit Kollegen zu tun haben, planen zum Beispiel verstärkt Videokonferenzen ein statt nur per E-Mail zu kommunizieren. Auch regelmäßige Kaffee- oder Lunchverabredungen können hier hilfreich sein. Kandidaten, denen die Disziplin außerhalb des Büros fehlt, könnten stets mit den interessantesten Aufgaben in den mobilen Arbeitstag starten. So fällt es leichter, morgens direkt an den Schreibtisch zu gehen.

Auch wenn der Trend zu mobilem Arbeiten durch den digitalen Fortschritt stetig wächst und immer mehr Menschen flexibler und bürounabhängiger arbeiten möchten, gibt es derzeit kein Standardmaß für den optimalen „Out-of-office“-Zeitanteil. Eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2006*** belegt, dass die Zufriedenheit der Mitarbeiter bis zu einem Anteil an 15 Stunden Telearbeit pro Woche wächst und dann stagniert. Entsprechend wäre eine Mischform aus Büro- und mobiler Arbeit optimal. Doch digitale Kommunikationstools wie Go2meeting, Slackbot oder Skype for Business entwickeln sich rasant, so dass die persönliche Abwesenheit immer weniger spürbar und die virtuelle Zusammenarbeit Arbeitsalltag wird. Vor diesem Hintergrund werden sich die mobilen Arbeitsbedingungen, -gepflogenheiten sowie Zufriedenheits-, Qualitäts- und Effizienzwerte stetig weiter verschieben und verändern.

Mobiles Arbeiten bietet viele Chancen, aber kein Geschenk.

Die Digitalisierung wandelt unsere Arbeitswelt und löst uns mehr und mehr von starren Arbeitszeiten und einem festen Platz im Büro. Das bereichert uns vor allem in punkto Bewegungsfreiheit, Selbstbestimmung und Abwechslung. Aber es kostet uns gleichzeitig die Nähe zu Mitarbeitern, die Gruppendynamik der Teammeetings und fordert Sie als Chef und/oder Führungskraft in bisher unbekannter Weise. Es ist Pioniergeist, Intelligenz, Kreativität und Fleiß gefragt, das Beste aus den neuen Arbeitsweisen herauszuholen und das virtuelle Miteinander lebenswert zu gestalten. Dann kann mobiles Arbeiten zu einer gesellschaftlichen Entwicklung beitragen, die in der Folge weniger Verkehr und Staus, mehr Wohn- statt Büroraum und mehr Freiheit in der Wohnortwahl mit sich bringt.

* “To Raise Productivity, Let More Employees Work from Home”, Nicolas Bloom, Harvard Business Review, 2014

* “Computers in Human Behavior”, Nico W. Van Yperen, University of Groningen, Netherlands, 2016

*** “Telecommuting’s Differential Impact on Work-Family Conflict: Is There No Place Like Home?”; Timothy Golden, Rensselaer Polytechnic Institute, & John Veiga, University of Connecticut, Article in Journal of Applied Psychology, December 2006 

 

Kooperation Gastautorin: Daniela Süßenbach

Über Stefanie Rehm

Stefanie Rehm ist Diplom-Onlinejournalistin und für eine Frankfurter Internetagentur tätig. Als Expertin für alle Formen der unternehmensinternen und – externen Kommunikation kümmert sie sich unter anderem um diverse Online-Magazine oder um die Außendarstellung der Agentur-Kunden. Seit über drei Jahren schreibt sie regelmäßig Fachartikel und Blogartikel rund um Human Resources Management.